Bildung auf Augenhöhe

„Auf Augenhöhe“ hat Konjunktur. Zumindest als visionärer Wunsch, wie Bildung und Lernen in Zukunft aussehen könnten. Aber was genau ist mit dieser „Augenhöhe“ gemeint – und welchen Nutzen haben wir davon? Oder ist das alles nur eine romantisierende Wortspielerei? Antworten darauf gebe ich in meinem Buch zum Thema, das im hep-Verlag erschienen ist. [youtube]

 

Macht und Hierarchie in der Bildung

 

Bildung und Lernen sind traditionell hierarchisch aufgebaut. Der und die Lehrende steht nicht nur vor, sondern auch über den Lernenden. Er und sie stehen hierarchisch über denen, die sich (weiter-)bilden: weil er mehr weiß, mehr kann, weil er oder sie die Noten und andere Zertifikate verteilt. Der und die Lehrende haben Macht über die Lernenden. So war das schon immer.

 

Der gute Lehrer von einst

 

Wenn ich Menschen frage, welche Lehrer ihnen positiv in Erinnerung geblieben sind, dann höre ich fast ausnahmslos: Er konnte für sein Fach begeistern, war selbst ein Enthusiast. Er konnte sein Fach „gut rüberbringen“ und uns motivieren. Im traditionellen Berufsbild setzt der gute Lehrer seine Macht also dafür ein, dass die Wissensvermittlung auf humane Weise funktioniert. Das unterscheidet in diesem Denken auch den guten vom schlechten Lehrer. Letzterer vermittelt den Stoff eher auf unmenschliche Weise.

Aus Macht wird Ermächtigung

 

Bei einer Bildung auf Augenhöhe steht nicht mehr die Macht des Lehrers im Zentrum, sondern die Ermächtigung der Lernenden. Der Lehrer definiert sich nicht über seinen Vorsprung, sondern geht mit - an der Seite der Lernenden. Egal in welchem Setting oder Alter. Egal ob in Schule, Hochschule oder Weiterbildung. Das hat einen wichtigen Grund: Das Ziel ist nämlich nicht mehr die Vermittlung von Wissen, sondern die konsequente Befähigung.

 

Merkmale einer Bildung auf Augenhöhe

 

Was ich in meinem Buch über Bildung auf Augenhöhe in der Schule fordere, gilt im Prinzip für alle Bildungsformate:

 

Erstes Merkmal:

Eine nachhaltige Bildungsarbeit sorgt sich als erstes und fortlaufend um eine Kultur der Aufmerksamkeit. Sie ist die wichtigste Ressource des Lernens. Die Fähigkeit, sich in Menschen und Themen hineinzuversetzen, sich ihnen dauerhaft zu widmen, sich in etwas zu vertiefen, Bedeutungen zu erkennen und zu verknüpfen.

Zweites Merkmal:

Die Fähigkeit, zwischen simuliertem Verständnis und wirklichem Verstehen unterscheiden zu können. Das ist eine Kernkompetenz im 21. Jahrhundert, wo es fast nur noch darum geht, sich selbst und die hochkomplexe Welt in ihren Abläufen und Zusammenhängen zu verstehen. Verstehen können und verstanden werden sind die beiden Eckpfeiler eines glücklichen und erfüllten Lebens.

 

Drittes Merkmal:

Das Wichtigste ist in meinen Augen eine Gesprächskultur auf Augenhöhe. Der Übergang vom „sprechen zu“ zum „reden mit“. Bildung findet ja als fortlaufendes Gespräch statt: als inneres, als eines mit Themen, mit Anliegen, mit Mitmenschen. Als Dialog, Diskurs, als Streitgespräch - und wer Gesprächskulturen gemeinsam reflektiert, hebt deren Niveau. Darin sehe ich die größten Chancen für die Weiterentwicklung unserer Bildungskultur. Nicht zuletzt deshalb, weil eine neue Gesprächskultur nicht beantragt werden muss. Sie beginnt dort, wo wir anfangen über sie zu sprechen.


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