Bildung und Digitalisierung. Die Kompetenzen des 21. Jahrhunderts

Vor wenigen Tagen hat Bitkom einen Leitfaden für das Handling von Massive Open Online Courses (MOOC) veröffentlicht, den er mit folgenden Worten bewirbt:

 

„Das Internet und die damit verbundenen Endgeräte sind in unserem Alltag angekommen – nahezu jedes Schulkind ist im Besitz von Smartphone, Rechner, Facebook- und Twitter-Account. Sobald es aber die Schule betritt, befindet es sich in der „Kreidezeit“: Statt Bits und Bytes prägen auch heute noch Tafel und Kreide den Unterricht. Dabei sichert die Fähigkeit, digitale Technologien und Medien kompetent zu nutzen, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes.“

Die Bildung mit digitalen Medien fluten?

 

Zwischen den Zeilen lese ich: Flutet die Schulen mit digitalen Medien, dann bleibt das Land wettbewerbsfähig! Das wäre, vorsichtig gesagt, sehr verkürzt. Die Anwesenheit digitaler Medien ändert nichts an der Art und Weise, wie Schule und Weiterbildung ihre Arbeit machen: ob sie Menschen befähigen, sich in der digitalisierten Welt zu Recht finden; Arbeit zu suchen und zu finden, einen Platz in der Welt, einen Sinn im täglichen Leben.

 

Lernen in  chaotischen Umgebungen 

 

Was wir als erstes und dringend brauchen, sind neue und ganz andere Lernumgebungen als bisher. Das klassische Klassenzimmer funktioniert nicht mehr, denn der Mensch braucht neue Strategien, um in chaotischen, schwach strukturierten Umgebungen zu lernen. Bereits heute nimmt das Lernen in sog. „learning landscapes“ zu. Dieses Lernen ist viel weniger kontrolliert, weniger zertifiziert, dafür hoch kooperativ. Es geht also um „Lernen im Chaos“ und darum, selbstständig Lernentscheidungen zu treffen. Lebenslang: „It is about operating and interacting in a complex and multi-dimensional environment“. (Quelle und Inspiration für diesen Beitrag finden Sie hier.)

 

 

Die "neuen Fähigkeiten"

 

Vor allem „critical literacies“ sind gefragt. Ich muss in der Lage dazu sein, im Überangebot kritisch zu beurteilen. Ich brauche die Kompetenz, Wissen eigenständig zu konstruieren und darüber Kommunikation zu ermöglichen - jeweils in hoch komplexen Kontexten.

Ganz konkret geht es da um die Fähigkeiten

  • Kontexte und Umgebungen nach Sinn abzutasten und solchen zu kreieren;
  • Sprache, Sprachkompetenz und Kommunikation einzusetzen, um überhaupt arbeitsfähig zu sein;
  • die innere Struktur und die Bedeutung von Texten, Bildern und anderen Kommunikationen, ihre Muster und Ähnlichkeiten aufzuspüren und voneinander abzugrenzen;
  • Bedeutungen, Zwecke und Ziele sowohl zu identifizieren als auch zu generieren;
  • lösungsorientiert zu arbeiten, Argumente zu prüfen, Erklärungen anzubieten, Begriffe zu definieren.

Und es geht um ein Verständnis davon, wie man Entwicklungen, Veränderungen und Unterschiede erkennt, sie ermöglicht und managt.

 

Was hat das alles mit Bildung zu tun?

 

Wer sich der Komplexität aussetzt, lernt sich in ihr auszukennen

 

Wenn wir lernen, dann nutzen wir komplexe neuronale Netze, die sich selbst  formen und umformen. Das tun sie umso besser,  je mehr wir komplexen Phänomenen ausgesetzt sind: Auswahl, Gelegenheiten, Diversität und Interaktivität unterstützen Lernen in neuronalen Netzen, nicht der einfache und statische Inhalt. Es ist die kognitive Dissonanz, die Lernerfahrungen hervorruft. "Lernen" bedeutet fähig zu ein, für sich selbst zu lernen. Es bedeutet nicht das zu lernen, was einem andere zu lernen aufgeben. Es bedeutet trotz "kognitivem overload" arbeitsfähig zu sein, statt ihm ausgeliefert zu bleiben.

 

Wir brauchen also nicht einfach "mehr digitales Gerät in der Bildung". Wir brauchen Professionen (Lehrer, Dozierende, Coaches) und Institutionen (Schulen, Hochschulen, Anbieter von Weiterbildung), die in der Lage sind, die entsprechenden Fähigkeiten zu vermitteln.


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